Montag, 5. Februar 2018

Geschlechtsangleichende OP: Der Abschluss

Ende der Tages-Chronologie
Wie bereits angekündigt, breche ich jetzt mit der vorangegangenen Chronologie und erzähle einfach meine Erfahrungen der letzten Tage.

C darf nach Hause
Meine liebe C. durfte die Klinik am Samstag verlassen und wurde dann alsbald auch von ihrem Schatz abgeholt.
Ich freute mich für Sie, denn nunh konnte sie ja fast das ganze Wochenende wieder bei ihren Lieben verbringen.
Am nächsten Tag wuselte sie dann auch schon wieder mit ihrem Hund um den Bodensee.

Die „Entklammerung“
Bei mir ging es dann folgendermaßen weiter: Nachdem der „Panzer“ ja schon ein gewaltiges Stück abgenommen hatte, blieben eigentlich nur die lieben Klammern, welche ab und an für ein kleines „Zipperlein“ sorgten.
Am Sonntag wollte mich dann auch eine liebe Ärztin gleich nach der Visite von diesen kleinen Quälgeistern befreien.
Das ging aber leider schief, denn ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort (nämlich auf der Toilette).
Irgendwie hörten wir uns gegenseitig nicht und das führte dann dazu, dass meine Klammern erst am Abend entfernt werden konnten.
Aber wir fanden uns schließlich doch und ganz sanft wurde ich meine Klammern dann doch noch los.
Der „Panzer“ war ab.

Das Ergebnis kennenlernen
Als die kleinen Dinger dann weg waren, lernte ich zum ersten Mal richtig das Ergebnis meiner Operation kennen.
Ich muss sagen, ich bin hochzufrieden (und mehr Details wird es dazu auch nicht geben).

Der Ausklang?
Ich weiß es nicht so genau. Denn ich kam in die Klinik mit dem Selbstverständnis, dass es nun mal so lange dauert, wie es eben dauert.
Ich fühle mich jeden Tag besser freue und mich über alles was so passiert.
Heute bekam ich z. B. unerwarteten Besuch von einer anderen C. ;o) und wir führten sehr interessante Gespräche zu diversen Themen.
Die Zeit kann einem im Krankenhaus schon leicht etwas lang werden und deshalb hat es mich schon sehr gefreut und ich werde das eine oder andere Argument nochmals in meinem Kopf Revue passieren lassen.

Was noch zu sagen ist
Aus der Klinik werde ich wahrscheinlich keine neuen Beiträge mehr schreiben. Deshalb hier kurz zum Abschluss, wie meine Eindrücke und Empfindungen waren:

Ich fühlte mich in der Klinik bei den Ärzten, den Schwestern und Pflegern, der Verwaltung und jeglichem anderen Personal gut aufgehoben.
Alle waren immer sehr freundlich zu mir (auch mitten in der Nacht) und ich habe immer gespürt, dass hier viel Fachwissen und eine große Menge Erfahrung vorhanden ist auch das Essen fand ich ausgesprochen gut und durchaus reichlich.
Die Ärztinnen und Ärzte waren immer sehr fokussiert - SmallTalk ist auch nicht notwendig. Ich fand immer Gehör und sie waren überaus gründlich, professionell und wo dringend nötig „sanft“ :o).

Ich hatte mir vorgenommen, alles zu nehmen wie es kommt und auch im Negativen die für mich positiven Aspekte zu entdecken.
Was soll ich sagen? es gab nichts Negatives. Das ist vielleicht auch eine Sache der Einstellung.
Ich bin in die Klinik gegangen, weil ich etwas wollte. Alle haben mir aktiv dabei geholfen, es zu erreichen und dadurch habe ich wieder eines meiner Lebensziele erreicht.
Der Aufenthalt ist, was man selbst daraus macht.

Aussichten
Ich werde wohl bald nach Hause fahren und mich dort weiter erholen.
In einigen Monaten werde ich wieder nach Bogenhausen kommen, um die zweite Operation zu überstehen.
Beim nächsten Besuch werde ich aber wohl noch weniger aufgeregt sein, weil ich sicher bin, dass ich gut aufgehoben bin.

Zum Schluß nochmal meinen ganz lieben Dank an die Belegschaft der Station 1 des CHKMB. Ihr wart alle ganz toll :o)

Bis ich wieder nach München gehe, schreibe ich natürlich den ein oder anderen Beitrag.
Kaffee werde ich dabei vielleicht weniger trinken, weil ich gemerkt habe, dass weniger Kaffee meinem Körper gut tut.

Aber ich habe da bei CHRIST dieses wunderbare Armband im Katalog gesehen... da komme ich bestimmt in den nächsten Wochen mal in der Breiten Gasse in Nürnberg vorbei und...

... macht es gut.

Birgit

Samstag, 3. Februar 2018

Geschlechtsangleichende OP: Die nächsten Tage

Nachdem im letzten Post ja alle Tage chronologisch aufgezählt wurden, unterbreche ich diese Chronololgie vielleicht, weil alle Krankenhaustage einer gewissen Struktur folgen und ich nur von den für mich relevanten Ereignissen erzählen möchte.

Tag 4: Laufen
Der vierte Tag war ein Sonntag. Normalerweise passiert ja an den Wochenenden im Krankenhaus nicht so viel.
Einige kleine Dinge möchte ich aber schon schreiben.

Der Tag verlief wie gewohnt, als Schwester N. mein Zimmer betrat und mir mitteilte, dass es natürlich nicht das Ziel sei mit der Matratze zu verwachsen, sondern wegen dem Kreislauf und um den Heilungsprozess zu unterstützen, sollte ich mich ganz vorsichtig einige Schritte auf den Flur hinauswagen, um wieder mobil zu werden.

Also nahm ich mir vor, alle 2 Stunden einige Minuten auf dem Flur auf-, und ab zu gehen.
Nach einigen Tagen im Zimmer war das eine willkommene Abwechslung und ich schaute den Schwestern und Pflegern bei ihren täglichen Pflichten zu.
Auf einer meiner „Wanderungen“ entdeckte ich sogar Dr. Markovsky mit einem Filmteam von SternTV, welches wohl gerade eine Reportage über Transmänner vorbereitete.

Nachmittags bekam ich unerwarteten Besuch von C. der Schwester N. erzählt hatte, dass ich ihr die Geschichte mit dem Umkippen aus dem Internet erzählt hatte. Wir unterhielten uns kurz und ich bekam ihre Visitenkarte.

Tag 5: Die Horde und ein neues Zimmer
Der Tag begann eigentlich ganz harmlos. Gerade aufgewacht (und in einem noch ziemlich derrangiertem Zustand) tunkte ich gerade meinen Teelöffel mühselig in einen kleinen Becher Birnenjoghurt, als sich die Tür öffnete und eine Unmenge von Ärzten mein kleines Zimmer betrat.
Ich muss wohl wie eine Schildkröte ausgesehen haben, der man gerade das Salatblatt weggenommen hatte, denn der Anführer entschuldigte sich und sie verschwanden genau so schnell, wie sie gekommen waren.
Ich war einigermaßen verwirrt, richtete mich schnell her und wartete - aber sie kamen nicht wieder zurück.

Dafür kam Schwester A.K. und teilte mir mit, dass ich in ein Mehrbett-Zimmer verlegt werden würde (ich hatte keine Zusatzversicherung).
Also packte ich alsbald meine Sachen und Schwester N. half mir dabei alles in das angrenzende 2-Bett-Zimmer zu verfrachten.
Dort wartete schon C. auf mich und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und bildeten fortan das „Elfen-Team“.

Tag 6: Der Verband
Nach meinen bisherigen Erfahrungen beinhaltet der Heilungsprozess diverse Meilensteine. Wird einer erreicht, geht es weiter. Gibt es Komplikationen, verzögert sich der Ablauf.
Einer dieser Meilensteine ist die Entfernung des Verbandes.
In den ersten Tagen nach der OP ist Frau da unten ja überaus gut eingepackt - ich nenne es mal den „Panzer“.
Dieser besteht aus: Verband, Stent, Katheter und Klammern.
Das Entfernen des Verbandes war zwar eine ziemliche Sauerei, aber nicht schmerzhaft (auch weil die beiden Ärztinnen sehr vorsichtig waren).
Allerdings treten dabei sehr ungewohnte Gefühle an Stellen auf, an denen vorher weder Gefühle noch Stellen waren.
Leider hatte ich seit einigen Tagen am Abend eine erhöhte Temperatur > 38° Blut-, und Urinwerte waren zwar normal, aber es nervte mich doch etwas, weil ich mich eigentlich gut fühlte. Mir war lediglich Abends immer ein wenig kühl - ich schob es auf die unterbrochene Hormonersatztherapie.
Aber Pfleger R. (seeeehr viel Erfahrung) meinte, es könnte auch von meinem „Freund“ dem Stent kommen.

Die gute C. ist aufgrund ihrer Tätigkeit in einer SHG und für die dgti eine kleine Berühmtheit.
So ließ auch Besuch nicht auf sich warten und ich lernte einige nette Menschen kennen.

Tag 7: Der Stent
Mein Panzer wurde weiter abgebaut und nach kurzem, beherztem Zugreifen (und einer kleinen Sauerei) war ich auch den Stent los.
Meine Freiheit wuchs und ich konnte dadurch interessante Gespräche mit C. führen. Wir hatten eine Menge Spaß und blödelten auch mal herum, um unseren Alltag ein wenig aufzulockern.
Währenddessen gewöhnten wir uns auch an den Umgang mit unseren neuen Begleitern, dem Katheter, Binden und echt sexy Netzhöschen.
All das verschaffte uns wieder eine kleine Portion Selbstständigkeit und erleichterte uns das Leben.

Tag 8: Der Katheter
Dieser Katheter ist ein ganz besonderer Meilenstein. Komplikationen bei diesem Schritt können nämlich eine ganze Menge Probleme verursachen.
Bei der Visite teilte mir Dr. Markovsky mit, dass ich heute meinen Katheter loswerden würde.
Mein kleines Temperaturproblem bestand leider weiter fort und wurde weiter beobachtet, hinderte mich aber nicht weiter.
Nachdem alle Ärzte gegangen waren, erschein Pfleger M. und trennte kurzerhand (...Ziiip!) die Verbindung zu meinem fast schon liebgewonnenem „Freund“.
Nun hieß es wirklich „Abwarten & Trinken“. Denn klappte nach dem Ziehen des Katheters das natürliche Bedürfnis nicht, muss er ja wieder rein.
Bei Rein und Raus kann es aber immer zu Komplikationen kommen (dafür ist diese Körperregion ja nicht konzipiert).
Deshalb war ich echt froh, dass gleich alles gut funktionierte.
Der „Panzer“ hatte wieder ein Teil verloren und ich wurde somit wieder ein Stück beweglicher.

Nun hatte sich doch wirklich der erste Besuch angekündigt.
Ich rechnete eigentlich nicht mit Besuch (wer kann denn schon so einfach mal unter der Woche nach München fahren und einen Krankenbesuch machen?).
Ein guter Freund im Sabbatical und ein pensionierter Kollege (mit dem ich auch gut befreundet bin) nahmen die Strecke sogar bei Schnee auf sich um mich im Krankenhaus zu besuchen. Da geht einem wirklich das Herz auf. Sie akzeptieren und begleiten nicht nur Deine Transition und halten zu Dir, sondern sie kommen auch noch persönlich ins Krankenhaus.

Nach einem sehr kurzweiligen Nachmittag verabschiedeten sich beide gegen Abend und ich kroch mit feuchten Augen unter meine Bettdecke...

Das war wieder ein ganzes Stück Text. Natürlich ist noch viel mehr passiert - aber soviel will doch Niemand lesen oder?

Birgit 

Freitag, 2. Februar 2018

Geschlechtsangleichende OP: Die ersten Tage

Wichtig!
Die nachfolgende Zusammenfassung spiegelt natürlich nur meine ganz persönlichen Erlebnisse und Gefühle wider.

Vor etwas über einer Woche kam ich in München an, um die Erste meiner beiden geschlechtsangleichenden Operationen in der Chirurgischen Klinik München Bogenhausen von Dr. med. Oliver Markovsky durchführen zu lassen.

Tag 1: Ankunft in München
Mein ICE fuhr pünktlich um 08.12 Uhr los und nach einer ruhigen Reise kam ich um 09.21 Uhr im Hauptbahnhof München an.
Da ich noch ein üppiges Zeitpolster für meinen Termin um 11 Uhr eingeplant hatte, nutzte ich die Zeit um durch den Bahnhof zu schlendern und noch etwas zu trinken, dann fuhr ich mit der U4 Richtung Arabellapark bis zur Haltestelle Richard-Strauss-Strasse und zerrte meinen Trolley über gut gestreute Wege zur Anmeldung.

Die Anmeldung findet in einem anderen Gebäudekomplex um die Ecke statt, welcher aber in 5 Gehminuten erreichbar ist.
Im Erdgeschoss wurden nochmals einige Daten erfasst, und dann ging es auch schon in den ersten Stock, wo Fr. Dr. T. schon auf mich wartete und das erste Aufklärungsgespräch begann.
Hier war es sehr von Vorteil, dass ich die Befunde der Voruntersungung mitgebracht hatte, weil sie nicht extra herausgesucht werden mussten. Nach etwas Papierkram ging es dann einige Stockwerke höher zum Anästhestisten.

Nach einer kurzen Wartezeit holte mich Fr. P. ab, um mit mir in einem sehr netten Gespräch „das Vertragliche“ zu klären.
Kurz ins Wartezimmer und danach kam der Anästhestist zum Aufklärungsgespräch. Danach wurde mir kurz noch Blut abgenommen und (es war schon nach 14 Uhr huch!) ich packte meinen Trolley und lief damit um die Ecke zur Klinik.

Fr. P. hatte mich schon überholt und wartete bereits am Empfang auf mich.
Ich gab einen ganzen Packen Unterlagen, den ich im anderen Gebäude erhalten hatte ab und durfte mit dem Lift in den ersten Stock auf die Station 1 fahren.

Ich saß noch einige Minuten in der Besucherecke, dort begegnete ich dann zum ersten Mal C. wir grüßten uns kurz, weil ich Sie von ihrem Blog kannte und dann bekam ich auch schon ein gemütliches Einbett-Zimmer zugewiesen.

Dort begann ich einige Dinge (ich hatte viel zu viel unnützes Zeug eingepackt) in den wirklich kleinen Schrank zu packen, zog mich um und verwandelte mich in eine Patientin.

Es dauerte nicht lange, da betrat auch schon die nette Schwester A. K. mein Zimmer und brachte mir 3 Packungen eines Pulvers, einen 1-Liter Shaker und zeigte mir, wie ich mir jeweils eine 1-Liter Portion eines Drinks zubereiten sollte, von denen ich mindestens zwei trinken sollte.
Meine einzige Mahlzeit war eine einzige Breze gegen 8 Uhr und ich bekam an diesem Tag auch nur noch zwei Portionen klare Brühe.
Das Getränk schmeckte salzig mit einem Hauch Vanillearoma - ich fand nicht halb so schlimm, wie ich erwartet hatte und regte meinen Verdauungstrakt ungemein an. Es rumpelte furchtbar und ich konnte nur noch zwischen Bett und Toilette pendeln - ich hätte mich echt nicht getraut, dieses Zimmer zu verlassen. Nach insgesamt 3 Litern war mein Verdauuungstrakt gut geleert und ich legte mich ins Bett und schlief ein.

Tag 2: Die Operation
Ich hatte ziemlich gut geschlafen, als mich Schwester S. recht früh weckte und mich bat, ein modisches OP-Höschen und ein passendes Hemdchen anzuziehen. So ausstaffiert wartete ich in meinem Bett und Schwester S. fuhr mich in den Keller zum OP-Saal.
Dort bekam ich von OP-Schwester W. noch ein passendes Häubchen, schöne vorgewärmte Decken und einen Zugang an der linken Hand. Danach wurde ich aus dem Bett zuerst auf eine Art liege und nach kurzer fahrt auf dem OP-Tisch gehievt, wo man mich wie gekreuzigt festschnallte. Der Anästhesist kämpfte noch etwas mit der Blutdruckmanschette - ich bekam derweil eine kleine Infusion und eine Maske wurde auf mein Gesicht gedrückt. Ich lauschte dem Manschettenkampf noch eine Weile - dann war ich weg... ... ... und erwachte in einem Raum mit regem Treiben.
Ich lag mit mindestens 3 anderen Patienten im Aufwachraum und sie hatten irgendwie alle Hände voll zu tun. Ich sagte: “Das ging ja schnell.“ und bekam ein „Ja mei - 6 Stund“ zurück. Ich weiß nicht wie lange ich dort gelegen hatte, als man mich in mein Zimmer zurückbrachte.
Den Rest des Tages verschlief ich recht schmerzfrei und Schwester A. brachte mich gut durch die erste Nacht.

Tag 3: Aufstehen
Ich schlief sehr gut und völlig schmerzfrei. Als ich aufwachte, war ich sehr froh, gesund und am Leben zu sein. Ich schaute aus dem Fenster und genoss den Tag. Ich öffnete mein iPad und öffnete C‘s Blog, um ihre neuesten Posts zu lesen, weil ich ja wusste, dass die auf der gleichen Station war wie ich. Dort musste ich lesen, dass sie sich nach der OP echt fit fühlte, es dann aber ein wenig übertrieben und umgekippt sei. Ich nahm mir vor, sehr, sehr vorsichtig zu sein.
Nachmittags betrat dann Schwester N. mein Zimmer und fragte, ob ich mich fit genug fühlen würde, um kurz aufzustehen und mich kurz zu waschen. Falls ja, sollte ich versuchen meine Arme und Beine etwas zu bewegen, um den Kreislauf anzukurbeln.
Einige Zeit später krabbelte ich dann seeeehr vorsichtig mit ihrer Hilfe aus meinem Bett. Der Dauerkatheter war noch äußerst ungewohnt und ich hätte mich ohne sie wohl hoffnungslos verheddert. Aber ich stand schon mal.
Wir waren wohl beide leicht aufgeregt, als ich ins Bad tapste, um mir die Zähne zu putzen. Ich tapste immer von einem Fuß auf den anderen während Sie immer in Griffweite stand. Alles war gut, bis ich merkte, wie mir ein seltsames Kribbeln die Wirbelsäule hinauflief - ich dachte, wenn es oben ankommt, fällst Du um - also atmete ich tief ein, packte das Waschbecken fester... und es verschwand.
Schwester N. bugsierte mich ins Bett zurück und ich verbrachte den Rest des Tages mit Nachdenken, Dösen und Schlafen.

Puh! Das war ja nun schon ein echt langer Post. Im nächsten geht es weiter mit Tag 4.

Birgit


Montag, 22. Januar 2018

Noch 4 Tage bis zur OP

Ich bin überhaupt nicht nervös?
Vielleicht liegt es ja wirklich daran, dass nun alle Dinge geklärt und fast alle Vorbereitungen getroffen sind?
Die letzten Wochen waren wirklich turbulent und jetzt gibt es für mich fast nichts mehr zu tun, als die letzten Tage entspannt zu Hause zu verbringen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, freue ich mich auf die OP, denn ich habe sie mir ja jahrzehntelang gewünscht und es ist immer noch ein etwas unwirkliches Gefühl nur noch wenige Tage warten zu müssen.

Mein gesamtes Umfeld war die letzte Zeit wirklich sehr aufmerksam zu mir und ich bin froh, all diese Menschen kennengelernt zu haben.
Viele haben mich (manchmal unbewusst) unterstützt und mir die nun doch lang gewordene Zeit des Wartens versüßt.

Ich bin wirklich gespannt darauf was passiert, wie es mir gehen wird und was ich fühlen werde.
Wahrscheinlich wird es nicht einfach, aber das waren die letzten Jahre auch nicht.
Es muss einfach sein, damit ich eine Zukunft habe und mein weiteres Leben planen kann (ich habe nämlich durchaus noch viel vor!)

Möglichkeiten & Grenzen
Ich freue mich schon sehr auf die neuen Möglichkeiten, die sich mir zweifelsohne eröffnen werden.
Aber es wird auch neue Grenzen geben, wie jene, die ich in meiner Zeit als Frau bereits kennenlernen durfte.
Es gibt eben kein Licht ohne Schatten - Beides ist untrennbar miteinander verbunden und genau in dem Maße, wie ich mein neues Leben als Frau täglich genieße, muss ich auch die neuen Grenzen akzeptieren, die meine neue Geschlechterrolle mit sich bringt.

Grenzen vs. Transphobie
Männer haben Möglichkeiten und Grenzen und Frauen haben Möglichkeiten und Grenzen. Oft sind beide äußerst unterschiedlich.
Ich habe gelernt, meine neuen Grenzen zu akzeptieren und mich eingewöhnt und eingefügt (die Möglichkeiten erkunde ich noch - Grenzen kommen immer schneller).

Das Einzige, was mich wirklich manchmal traurig macht ist Ablehnung. Manche Menschen nehmen sich das Recht heraus andere einfach aus dem Grund schlecht zu behandeln, weil man nicht in ihr Weltbild passt.
Das passiert zum Glück nur sehr selten, aber es passiert. Oft kann ich nicht verstehen, warum manche Zeitgenossen so dermaßen unfreundlich sind.
Zumindest eine Prise professionelle Freundlichkeit dürfte bei einigen Gastwirten, Bäckern usw. doch drin sein?

Egal - bald geht es nach München Bogenhausen und in meinem Leben wird ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Ich hoffe, dass ich alles gut überstehe und auch weiterhin meine Heimatstadt und deren diverse Coffeeshops unsicher machen kann.

Nun geht es ab ins Kino um endlich den neuen Teil von Star Wars zu sehen.

Möge die Macht mit euch sein.

Birgit 

Freitag, 29. Dezember 2017

Hormonschwankungen

Unterhormonisiert?
Langsam wird mir klar, wie sich Frauen in den Wechseljahren fühlen müssen.
Nach über einem Jahr Hormonersatztherapie darf ich nun als Vorbereitung auf die OP keine Hormone mehr nehmen.
Obwohl mir vollkommen klar ist, dass es notwendig und richtig ist, fühle ich mich dabei physisch und psychisch nicht wirklich wohl.

Zum einen leide ich plötzlich entweder unter Hitzewallungen oder kalten Händen und Füßen und zum anderen bekomme ich langsam Stimmungsschwankungen.
Ich muss wirklich achtgeben, wie ich mich verhalte und was ich sage. Ich merke, wie mich der wohl langsam wieder ansteigende Testosteronspiegel zunehmend aggressiver werden lässt. Hoffentlich tue ich niemand unrecht - mein Umfeld tut mir jetzt schon leid.

Vorher kannte ich es ja nicht anders und es änderte sich eher langsam und schleichend. Aber nun, wo ich anderes kennen und lieben gelernt habe, stört es mich doch gewaltig, weil es eigentlich nicht zu meinem Wesen passt und ich auf keinen Fall zurück will.
Ich bin wirklich froh, wenn das nach der OP endlich vorbei ist.

Deshalb:
Stay calm and - Einen guten Rutsch ins neue Jahr.

(Heute aus einem Bürokomplex geschrieben :o))

Birgit.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Jahresrückblick 2017 und einige Updates...

Das Problem mit Updates...
...ist eben, dass sie leider oft auch Probleme verursachen.
Ich habe nun schon einige Monate nichts mehr geschrieben, dass lag aber nich daran, dass nichts passiert wäre oder ich keine Zeit und Lust gehabt hätte, sondern mit dem neuen iOS hat sich auch meine Blogger-App in die ewigen Jagdgründe verabschiedet, weil Google keine Lust mehr hatte Updates zu liefern.
Ich schreibe ja meistens, wenn ich mit meinem iPad unterwegs bin und mir einen Kaffee gönne.
Der Web-Editor ist auf dem iPad ebenfalls ein Graus und so musste ich ziemlich lange nach einer passenden App suchen.
Falls das jetzt funktioniert, schreibe ich wieder häufiger, weil meine Transition zur Zeit echt aufregend und spannend ist.

Was zwischenzeitlich so passiert ist und warum man sich das Unvorstellbare eben nicht vorstellen kann
Ja, wo fange ich da an? auch wenn es zeitweise nicht danach aussah, war doch eine ganze Menge los. Ich umreisse das mal kurz.
Ich lebe ja nun schon eine längere Zeit komplett als Frau und habe dabei einige Erfahrungen gemacht, die ich mir vor meiner Transition unmöglich hätte vorstellen können. Es ist etwas vollkommen anderes, ob man sich wünscht eine Frau zu sein, oder ob man tatsächlich eine ist und im Alltag wie eine behandelt wird.
Manche Dinge sind einfach nur wunderschön, es gibt aber auch (eher wenige) Nachteile.
Daran, dass ich in den vergangenen Monaten wenig bis keine Nachteile empfunden habe, sind wohl meine Mitmenschen Schuld - ich werde rundweg gut akzeptiert und kann mich nicht beklagen.

Als Frau behandeln einen (besonders andere Frauen) viel sorgsamer. Arztbesuche, und den täglichen Umgang miteinander empfinde ich viel sanfter und genieße das sehr.
Ich stehe mittlerweile zu meinen Schwächen gehe viel entspannter als je zuvor durchs Leben und nehme mir die Zeit Dinge wirklich zu genießen.
Mittlerweile habe ich auch eine Partnerin gefunden (sie wusste von Anfang an bescheid) und wenn wir zusammen sind, harmonieren wir sehr gut, obwohl ich manchmal auch zickig bin - ich will in dieser Verbindung nicht mehr die Hosen anhaben.

Zu den weniger tollen Dingen einer Transition zählen wohl die (für mich) häufigen Arztbesuche, die Nadelepilation (obwohl meine Kosmetikerin echt super nett und mein Bart fast besiegt ist) sowie ein paar Untersuchungen (Mammografie und Ultraschall) die Männer nicht über sich ergehen lassen müssen.

Der Tag X
Lag mein großer Tag bisher für mich gefühlsmäßig in weiter Ferne, so steht er doch in absehbarer Zeit vor meiner Tür und ich werde langsam von einer inneren Unruhe gepackt. Dabei habe ich keine Zweifel oder Angst vor der OP - ich mag nur wirklich keine Krankenhäuser.
Die Aussicht, dort eine längere Zeit zu verbringen, macht mich unruhig - aber vielleicht gewöhne ich mich.
Ich freue mich schon auf die OP, weil sie für mich auch ein Stück Freiheit bedeutet und mittlerweile passt das * wirklich nicht mehr zu mir und als Mann kann ich mich mittlerweile echt nicht mehr vorstellen...

Lebensfreude
Habe ich seit sehr, sehr langer Zeit erst in meiner Transition gefunden und mittlerweile gibt es keinen „Alltagstest“ mehr, sondern Alltag, den ich geniesse, wenn ich z. B. wie heute zum allerersten Mal im Rock im Büro war und es alle Kolleginnen und Kollegen entweder positiv oder alltäglich aufgenommen haben.
Das Gefühl, wenn ein langgehegter Traum nach und nach in Erfüllung geht und die daraus resultierende Lebensfreude kann ich kaum beschreiben.
Ich habe immer versucht positiv zu denken, aber es wirklich zu schaffen ist etwas anderes.

Langer Text
Aber ich muss ja auch den Editor ausprobieren. Was soll ich sagen. Unterlagen werden gesammelt, Sachen werden gekauft und bald geht es los nach München. Vorher (und auch nachher) schreibe ich weiter - weil es noch so viel Unvorstellbares zu entdecken gibt.

Das nächste mal wieder aus einem Café.

Birgit

Samstag, 9. September 2017

"Der" Termin

Auf das Posting "Der Antrag" folgt nun natürlich auch ein Termin.

Nach dem mittlerweile üblichen Papierkram konnte ich einige Wochen später im Klinikum Bogenhausen anrufen.
Die Mitarbeiterin des Patientenmanagements gab sich dann auch sehr geschäftsmäßig (Management eben :o)) und schwupps! Hatte ich einen Termin!

2017 wird es nun wie erwartet doch nichts mehr mit der OP (obwohl ich einen Termin bekommen hätte). Aber für mich wäre alles sehr hektisch abgelaufen und auch mit einer Menge Stress verbunden gewesen.

Nun, wer mich etwas kennt, der weiß, daß ich weder Hektik noch Stress mag und beides wenn irgend möglich vermeide. Gerade bei einer so wichtigen Entscheidung will ich so weit wie möglich die Zügel in der Hand behalten, um Fragen und Organisatorisches so gut wie möglich zu klären.
Das gibt mir dann ein gutes Gefühl - die OP ist für mich schon aufregend genug.

Deshalb habe ich jetzt noch Zeit für mich, um den kommenden Herbst und auch den Winter in Ruhe zu genießen. Ich freue mich wirklich schon auf die schönen Herbstfarben, etwas Entspannung und danach auf die Vorweihnachtszeit.

Aber so ganz untätig kann und will ich ja auch nicht sein. Da gibt es noch eine Menge zu tun, zu besorgen, persönliche Dinge sind zu regeln und Untersuchungen zu machen.
Daneben mache ich noch mein geliebtes Nürnberg unsicher - immer auf der Suche nach schönen Dingen.

Dieses Wochenende wird z. B. von einem mittelalterlichen Burggrabenfest, dem Trempelmarkt und leider auch von Dauerregen geprägt. Das verhagelt mir die Laune noch doch ein klein wenig.
Aber ich mag ja Herbst und Regen - ich wäre bestimmt auch eine tolle Londonerin geworden.

Aber wer will schon pitschnass werden? deshalb habe ich mich heute in eine Ecke meiner Lieblings-Starbucks-Filiale verkrochen, um euch einige Zeilen zu schreiben.
Der Kaffee wird hier aber genau so schnell leer, wie in jedem anderen meiner Stamm-Cafés.

Genießt jeden Tag eures Lebens - und wenn er nicht ganz so gut ist... versucht ihn für euch so gut wie möglich zu machen.
Im Februar nächsten Jahres habe ich wieder ein ganzes Stück meines Weges geschafft...

Grüße

Birgit